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Liebe Christen und Christinen, Nicht mit Dreck will ich zwar werfen, O wie sehr wir uns doch winden Aggressionen auszuleben, Wer mir einmal blöd gekommen, Soll ich dem denn Brücken bauen, Lieber Heiland, dass das klar ist Ich zahl' meine Kirchensteuer, Nur sollst du's nicht übertreiben Plötzlich zupft mich wer am Ohre, Dass du ordentlich dich aufführst, Mehr hast du wohl nicht zu bieten, Weißt du noch: der reiche Jüngling, Also, willst du dich noch steigern, So die Botschaft ist gesichtet,
Denn erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Auch das also eine biblische Lehre; nett formuliert wird so der Pendelausschlag von der einen zur anderen Seite, der immer einzukalkulierende Wechsel von Plus nach Minus und von Minus nach Plus. Je ärmer, desto reicher, je trauriger, desto fröhlicher, je benachteiligter, desto bevorzugter - und umgekehrt: je mehr Oberwasser, desto schlechtere Karten, je dickeres Polster, desto weniger in Händen, je lustiger, desto betrübter. Es bleibt nichts, wie es ist. Ende gut, alles gut, heißt es bei Gott. Also gilt es, auf das zu setzen, was am Schluss herauskommen soll. Wer jetzt fein heraus ist, ist noch lange nicht in Ewigkeit fein heraus. Wir treffen Altersvorsorge, und dagegen ist nichts zu sagen. Jesus erwartet zwar, dass wir uns mit unseren Sorgen ganz in die Hände unseres himmlischen Vaters geben, aber dass wir deswegen das Schicksal leichtsinnig herausfordern, ist nicht in seinem Sinne. Der kluge Mann baut vor, die kluge Frau tut es auch. Gegen die Risiken des Alters trifft man Vorsorge. Und doch ist selbst das kurzsichtig. Wer wirklich langfristig denkt, müsste Jenseitsvorsorge treffen und nicht bloß Altersvorsorge. "Selig die Armen, denn euch gehört das Reich Gottes." Sich mit vollen Händen in ein Pflegeheim auf Erden einzukaufen ist das eine, sich aus leeren Händen nichts zu machen, weil sie eines Tages von Gott jesusmäßig gefüllt werden, ist das andere. Es ist mit den anderen Seligpreisungen ganz genauso. In einen satten Menschen passt nichts mehr hinein, in einen hungernden sehr wohl. Die Erwartung des Hungernden, dass auch er einmal so richtig satt wird, findet ihre Erfüllung. Der Satte wird das, was ihn auf Erden satt gemacht hat, im Himmel nicht mehr vorfinden. Da gibt' s ganz andere Befriedigungen, für die er indisponiert ist, weil er sich aus ihnen nie etwas gemacht hat. Jedes verschenkte Stück Brot ist langfristigere Vorsorge als jedes gegessene Stück Brot. Kein Haar anders ist es mit den Trauernden und den Verächtlichgemachten, bei den Trauernden die Schwermütigen nicht zu vergessen, bei den Verächtlichgemachten die Diskriminierten. Die Tatsache ihrer Benachteiligung reizt Gott, das auszugleichen, spätestens im Jenseits, wo es nichts Depressivmachendes und nichts Herabsetzendes mehr gibt. Wer einmal unten durch ist, kommt nicht mehr hoch, denken wir. Im Evangelium steht: Denn erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Recht so, möchten wir am liebsten sagen, wenn wir diese Seligpreisungen hören. Denn mehrheitlich gehören wir zu den Dummen, mit denen man die Welt umtreibt, zu denen, die eher einstecken als austeilen, die auf manches verzichten müssen, was andere haben. Nun liegen uns aber heute die Seligpreisungen in einer Fassung vor, die uns weniger geläufig ist als die Seligpreisungen im Matthäus-Evangelium. Dass bei Lukas nur vier Seligpreisungen stehen, irritiert uns nicht; die Tendenz
der Seligpreisungen wird auch schon mit vier Beispielen klar. Aber dass da vier Weherufe auf die vier Seligpreisungen folgen, das irritiert uns. Frage: Wie haben wir eigentlich das Wort Jesu zu verstehen: "Die Ersten werden die Letzten sein und die Letzten die Ersten" (Lk 13,30)? Warum kann das zu einem Wehe werden? Vergünstigungen gewährt Gott doch bestimmt nicht, um sie uns hinterher um die Ohren zu schlagen! Des Rätsels Lösung liegt in unserem eigenen Gebrauch des "Wehe". Weh dir, wenn du die Schule schwänzt, weh dir, wenn du bei Rot über die Ampel gehst, weh dir, wenn du deine Tabletten nicht nimmst: das sind doch keine Vorverurteilungen, sondern Warnungen. Jesus vermaledeit die Reichen nicht, sondern gibt ihnen den wohlmeinenden Rat, ihr Kapital nicht nach Liechtenstein, sondern in Gestalt von guten Werken ins Jenseits zu transferieren. Jesus verwünscht nicht die zu einem Spaß Aufgelegten, die glatten Nudeln, die immer Gutgelaunten, als ob das nicht eine Gabe, sondern Sünde wäre, so zu sein, vielmehr will er sagen: Passt auf, dass ihr das Leben nicht verblödelt! Immer im Auge behalten: Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Um die Seligpreisungen sowohl als auch die Weherufe auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen: Ja nicht davon ausgehen, dass das, was jetzt ist, für immer so bleibt. Denn erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Es gibt eine ausgleichende Gerechtigkeit. Drum verzweifelt nicht, wenn´s auch schlecht geht, und sammelt euch, wenn´ s euch gut geht, Schätze im Himmel, die bleiben. |
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