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Auf dem Oster-Weg

1.4.2007

Palmsonntag

DER MARSCH AUF JERUSALEM

Lk: 19,28-40

Es sind jetzt dreitausend Jahre her, dass König David die Stadt Jerusalem erobert hat. Hoch liegt die Stadt, und schwer einzunehmen ist sie. David gelang die Einnahme nur durch eine List: durch die Wasserleitungskanäle drangen seine Soldaten heimlich ein und öffneten den Israeliten von innen die Tore.

In den Jahrhunderten seitdem sind noch viele Eroberer in Jerusalem eingezogen, syrische, persische, römische, arabische. Kein Einzug aber hat. die Wirkung gehabt, die der Einzug Jesu in Jerusalem gehabt hat.

Dabei war es ein ganz Unmilitärischer Einzug, eher eine Prozession als ein Einmarsch. Statt Waffen tragen die Gefolgsleute Jesu Palmzweige, und Jesus reitet auf einem Esel, nicht wie die Feldherrn, auf einem Pferd.

 

Nicht umsonst ist dem Evangelium das Reittier so wichtig. Während wir denken, es sei doch nebensächlich, ob Jesus auf einem Reittier oder nicht, und wenn ja, auf welchem Reittier in Jerusalem eingezogen sei, kommt es dem Evangelium gerade auf den Esel an. Kein Feldherr würde auf einem Esel einreiten; Militärs reiten auf Pferden. Gerade am Esel hatte Jerusalem ablesen können, wer Jesus zu sein beansprucht. Heißt es doch beim Propheten Sacharia: „Siehe, dein König kommt zu dir, er ist demütig und reitet auf einem Esel." (Sach 9, 9) Am Pferd erkennt man die Kriegsfürsten, am Esel den Friedensfürsten.

Von wegen Signal zum Aufstand gegen die römische Besatzungsmacht! Jesus will zwar sehr wohl ein Reich errichten, aber kein weltliches, sondern ein geistliches. Wie ein Mensch König sein kann ohne Land, ohne Staat hat ein paar Tage später auch Pilatus nicht in den Kopf gehen wollen. Pilatus verstand das Wort Jesu nicht: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute zuschlagen." (Joh 18,14)

Jesus ist kein Warlord, seine Jünger sind keine Taliban, Petrus wird angewiesen, sein Schwert in die Scheide zu stecken (Mt 26,52). Dem Reich Gottes mit Feuer und Schwert, mit Bomben und Attentaten dienen zu wollen, ist christlichem Denken diametral entgegengesetzt.

Warum? Weil das Reich Gottes ein Reich der Wahrheit, der Liebe und des Friedens ist. Das heißt; da, wo Wahrheit ist, da, wo Liebe herrscht, da, wo Gerechtigkeit hergestellt wird und Friede, da ist das Reich Gottes. Da ist Christus König. Da ist Gott zum Zug gekommen.

Das Christentum ist nicht angetreten, Regierungen zu stürzen und Märkte zu erobern. Christen sind wir, wenn wir Christus in unseren Herzen den Herrn sein lassen. Da, wo er handlungsleitend ist, ist sein Reich. Die Frontlinie verläuft zwischen Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, zwischen Liebe und Hass, zwischen Lüge und Wahrheit.

Oft wird uns mehrmals an einem einzigen Tag abverlangt zu zeigen, auf welcher Seite wir stehen. Christus unsere Mäntel vorlegen bedeutet, ihm unsere Möglichkeiten unterbreiten, und die Palmzweige in unseren Händen bedeuten unseren Willen, mit den Waffen der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens für ein Reich Gottes in dieser Welt zu kämpfen. Amen.

 

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8.4.2007 Ostersonntag

AUFERSTANDEN ADIEU Lk 24,1-12.36-39a

Was heißt: ~Auferstanden von den Toten?“Man könnte sagen: Jesus ist ins Laben zurückgekehrt. Aber das ist zweideutig. Ins Leben zurückgekehrt ist auch jemand, der scheintot war, jemand, der schon so gut wie drüben war, wie die Leute sagen, der, der Welt enthoben, ein überweltliches strahlendes Licht auf sich zukommen sah, dann aber im Diesseits wieder erwachte.

Eine solche Rückkehr ins Leben scheidet bei Jesus aus. Der Lanzenstich des Soldaten hatte das Herzblut Jesu austreten lassen. Damit hat man sich vergewissert, dass ein Gekreuzigter definitiv tot und eine Wiederbelebung ausgeschlossen ist. Im Johannesevangelium steht ausdrücklich, dass diese Todesprobe bei Jesus gemacht wurde und es Augenzeugen für die Feststellung seines Todes gibt. Man muss sich also den Gedanken, Jesus könnte scheintot gewesen und bei lebendigem Leibe begraben worden sein, aus dem Kopf schlagen. Eine solche Rückkehr ins Leben ist bei Jesus nicht gegeben.

Dass sein Grab an Ostern leer war, will dies unterstreichen und des Rätsels Lösung in ganz anderer Richtung suchen helfen. Nicht einmal dem Verdacht, dass sein Leichnam aus dem Grab weggeholt worden ist, will das leere Grab Vorschub leisten. Das leere Grab will vielmehr sagen: Da ist nichts mehr da, was zurückkommen könnte. Jesus hat sich in einem tiefen Sinn in Luft aufgelöst, ist in einem tiefen Sinn "verduftet".

Er ist restlos weg. Er kehrt nicht mehr zurück. Seine irdische Existenz hat irreversibel aufgehört.

 

Und was ist dann mit den Erscheinungen? Warum kreuzt Jesus denn, wenn er doch nicht mehr ins Leben zurückgekehrt ist, vor den seinen noch ein paar Mal auf? Warum lässt er sich, an den Wundmalen eindeutig identifizierbar, wieder sehen?

Ja, er ist zurückgekehrt ins Leben! Er ist nicht tot. Aber es ist nicht eine Rückkehr ins alte Leben, sondern die Präsentation des neuen Lebens, in dem er jetzt ist. Gott hat ihn in Sein Leben aufgenommen. Er lebt jetzt nicht mehr das Leben, das wir Menschen leben, sondern das Leben, das Gott lebt. Er ist nicht mehr gebunden an einen Ort, an eine Zeit, sondern immer und überall zugegen. Er ist nicht mehr greifbar, aber kann alle ergreifen. Ein geistiges, ein immaterielles Leben hat er jetzt, nicht mehr ein materielles, ein körperliches. Gottes Dasein ist jetzt sein Dasein.

Nur ist es mehr als angebracht, dass er sich den Seinen in seinem verklärten Zustand zeigt, und zwar in der ihnen vertrauten Gestalt. Wie sollen sie denn sonst wissen, dass er lebt! Da reicht es nicht, sie an die Prophezeiungen seiner Auferstehung zu erinnern, da reicht es nicht, ihnen nahezubringen, dass er schon nicht vergeblich in der Welt gewesen sein wird. Nein, da muss er selber her. Da muss er vor ihnen auftauchen und sie durch sein persönliches Erscheinen davon überzeugen, dass er lebt. Diese Überzeugungsarbeit bleibt zu leisten, wenn seine Gewährsleute nicht den Eindruck haben sollen, Jesus sei Vergangenheit.

Zum Abschied gilt es, Adieu zu sagen - Adieu in des französischen Wortes ursprünglichem Sinn: zu Gott. Jesus geht adieu, geht zu Gott.

Das Leben ist ihm gewandelt, nicht genommen. Wenn er adieu gegangen, wenn er zu Gott gegangen ist, dann ist er zwar von der Bildfläche verschwunden, auf der Wirkungsebene aber voll da. Das Gefäß mit dem Aroma Gottes haben die Menschen zerbrochen mit dem Ergebnis, dass das Aroma. Gottes jetzt frei und ungehindert in die Welt verströmt und der adieu gegangene Christus Duftmarken seiner Gegenwart setzt, wann und wo er will.

 

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Ostermontag

EMMAUS - MODELL DER MESSE
Lk 24,13-35

"Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ sagt Jesus beim Letzten Abendmahl. In jeder Messe wird unmittelbar nach der Wandlung dieser Auftrag zitiert. Es ist freilich nicht das Letzte Abendmahl, das wir wieder- holen sollen. Das "Tut dies zu meinem Gedächtnis" bezieht sich vielmehr auf Brot und Wein, in die Jesus anlässlich des Letzten Abendmahles sich einstiftete.

Unser Auftrag besteht also darin, dass wir Brot und Wein nehmen und darüber die Worte Jesu sprechen "das ist mein Leib, das ist mein Blut" Unter den Gestalten von Brot und Wein will Jesus sich den seinen einverleiben, in sie hineingehen, Bestandteil ihres Lebens werden, in ihnen zur Wirkung kommen wie Speis und Trank, die wir zu uns nehmen, um lebens- und handlungsfähig zu bleiben. Jesus speist sich den Seinen ein und tut dies nicht nur den Zwölfen, die im Abendmahlssaal neben ihm sind, sondern sorgt mit dem Auftrag "tut dies zu meinem Gedächtnis" dafür, dass das zum Gegenstand jeder Jesusversammlung in Raum und Zeit wird.

"Zu meinem Gedächtnis" ist mehr als "zu meiner Erinnerung". In der Messe wird nicht nachgestellt, sondern vorgestellt. Vor uns hingestellt wird die in Brot und Wein eingebettete Lebenshingabe Jesu.

Sie wird in die Gegenwart hereingeholt. 'Tut dies, weil ich so in euch hineingehe, so vom Himmel her Brot und Wein benutze, um mich mit euch zu vereinigen. Da wird nicht das Abendmahl nachgespielt, da wird das Abendmahl ausgeteilt, da geht Jesus in der Konkretion des Brotes und des Weines in unser Leben hinein - damit wir Anteil an ihm haben, nicht nur ein Sterbebildchen von ihm, sondern ihn selbst.

 

Am "Brotbrechen" haben die Emmausjünger ihn erkannt. Genauso wie im Abendmahlssaal nimmt er das Brot, definiert es als seinen Leib und teilt das Brot für die Vielen, die ihn empfangen wollen. Wir sehen die Hände des Priesters, wir hören die Stimme des Priesters, der "Handelnde ist Jesus, der Christus. Die Kirchen sind unsere Abendmahlssäle, das Personal ist das ausführende Organ. So wird das Kommen Christi zum Heil der Welt in die Gegenwart gestellt.' So wird das Gottesvolk gespeist mit dem Brot vom Himmel.

Vorausgeht die Beschäftigung mit dem Wort Gottes. Die Emmausgeschichte ist aufgebaut wie die Messe: zuerst der Wortgottesdienst, dann das Sakrament. Man liest aus der Heiligen Schrift, man redet darüber, wie die beiden Jünger unterwegs miteinander geredet haben über das, was geschehen war. Der Reihe nach wird im Lauf des Jahres Kapitel für Kapitel aus der Geschichte Gottes mit den Menschen aufgeschlagen, gelesen und erklärt.

Meist merken wir gar nicht, dass Christus bereits zugange ist. Erst hinterher, wenn uns etwas aufgegangen ist, wenn uns warm ums Herz geworden ist, denken wir wie die Emmausjünger: "Brannte uns nicht das Herz, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss?“

Spätestens beim Brotbrechen erkennen wir dann, wer da bei uns ist. Wenn sein Ureigenstes geschieht, tritt der unscheinbare Begleiter aus der Anonymität, und die Tischrunde erkennt ihn. Dann redet man nicht mehr in der dritten Person über ihn, sondern in der zweiten Person zu ihm. Dann erfüllt er uns im Medium von Brot und Wein mit seiner Gegenwart.

 

 

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6.4.2007

Karfreitag

DAS OPFER

„Konsequenz ruiniert den stärksten Gegner.“ Das ist kein Sprichwort, aber eine Erfahrungstatsache. Man kann dasselbe auch anders ausdrücken und sagen: Ob es einem Menschen ernst ist mit seiner Sache, erkennt man daran, dass er sich für sie opfert. Dagegen kann niemand mehr an. Wer für seine Überzeugung in den Tod geht, hat ihr den größten Dienst erwiesen, den er ihr erweisen kann. Und wenn jemand sein Leben hergibt, um andere zu retten, und nicht wie ein Selbstmordattentäter, um andere umzubringen, werden seine Widersacher klein und hässlich.

Jesus hätte sich ohne weiteres in Sicherheit bringen können. Er hätte sich nach Jerusalem, in die Höhle des Löwen, gleich gar nicht zu begeben brauchen, und er hätte aus Jerusalem selbst am Gründonnerstag Abend noch verschwinden können.

Und sein Auftrag, seine Botschaft? Davonlaufen, klein beigeben, abschwören? Der Hohe Rat rechnete damit, dass Jesus, um sein Leben zu retten, zurückrudern würde, zugeben würde, nicht der Sohn Gottes zu sein. Man hätte ihn gehen Lassen, er hätte irgendwann später in einem Altersheim sterben können. Hätten wir das Jesus zugetraut? Undenkbar für den, der für die Wahrheit Zeugnis abzulegen vom Himmel gekommen war!

Kapituliert wird nicht. Nur gebetet: „Vater, wenn du willst, lass diesen Kelch an mir vorübergehen, aber nicht mein Wille geschehe, sondern der deine“ (Lk 22,42).

Wer hat dann wen geopfert? Der Vater seinen Sohn, oder Jesus sich selbst? Beides ist richtig. Gott hat seinen Sohn in die Welt gesandt, damit er sich ganz und gar für sie opfere, verleide, verausgabe, ihr vollkommen schenke. Und der Sohn gibt sich dafür her, opfert sich, nimmt alles auf sich, was menschliche Dummheit und Bosheit schlimmstenfalls einem Menschen antun können. Nur eines ist nicht richtig: dass Gott an Jesus seinen Zorn über die Welt abreagiert, dass er Jesus büßen lässt, wofür er eigentlich uns strafen müsste.

Nein, das Motiv Gottes ist die Liebe, nicht der Zorn. Er leidet dermaßen unter der Schuld der Welt, dass er sie in seinem Sohn selbst auf sich nimmt. Sein Christus ist das Lamm, das sie wegträgt, ist der Schwamm, der sie aufsaugt, die Barriere vor dem Abgrund. Er lässt sich vernichten, zunichte machen, damit sie in diesem Nichts verschwindet, er ist das große Haben, das alles Soll aufhebt.

Das kann Jesus nur sein, wenn er sich selber in die Bresche wirft und nicht aus dem Staub macht. Deshalb verehren wir sein Kreuz. Es ist die Liebe Gottes, die im Kreuz kulminiert und in ihrer Konsequenz selbst das größte Minus umklammert mit einem noch viel größeren Plus.

 

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